ORTHODOXE KIRCHEN

Die Kirchen des Ostens sind aus der Sicht westeuropäischer Christen in vielen Punkten fremd, eigenartig und zugleich äußerst faszinierend. Diese sehr alten Kirchen gehen in ihrem Ursprung bis auf die Anfänge des Christentums zurück und leben ihr orientalisches Erbe. Vieles aus längst vergangenen Zeiten haben diese Kirchen erhalten und machen diesen Schatz heute lebendig. Das gilt für die Kunst, die Liturgie und in manchen Kirchen sogar für eigene Kirchensprachen, wie etwa das Kirchenslawisch. Die lange Geschichte ist in der späteren Zeit nicht ohne Brüche. Zwischen den einzelnen Kirchen des Ostens "natürlich auch des Westens "gab es im Laufe der Geschichte eine Reihe von Konflikten. Diese waren ganz unterschiedlicher Art: theologisch-religiös, politisch und ethnisch. Der entscheidende Konflikt, der für eine konfessionskundliche Darstellung am wichtigsten erscheint, ist die theologische Auseinandersetzung in der frühen Zeit der Kirche.

Aus der Heiligen Schrift ergibt sich der Glaube an den Dreieinigen Gott, aber eine ausgeführte Lehre hierüber findet sich in den Texten des Alten und Neuen Testamentes noch nicht. Die frühe Kirche musste daher Wege finden, wie sie selbst das Wesen Gottes als Vater, Sohn und Heiliger Geist zu beschreiben vermochte. In den gesamtkirchlichen Konzilien des 4. und 5. Jahrhunderts entstanden die bis heute gültigen und für viele Kirchen verbindlichen Aussagen über die Gottheit Jesu Christi und des Heiligen Geistes. Die Frage, wie Jesus zugleich Mensch und Gott sein kann war dann ein Anlass für einen langen Streit zwischen einzelnen Kirchen.

Die einen, die sich um Nestorius sammelten, betonten die Unterscheidung von Gott und Mensch in Jesus Christus und lehnten jede Vermischung der beiden "Naturen" ab. Die anderen sahen in solcher Trennung die Realität der Erlösung gefährdet und betonten die Einheit von Gott und Mensch: Die göttliche Natur des ewigen Sohnes Gottes, des Logos, habe die menschliche Natur angenommen, so dass es nun nur noch die eine Natur des Menschgewordenen gebe. Deshalb wird diese Richtung auch "Monophysitismus" (monos = einzig; physis = Natur) genannt. Das Konzil von Chalcedon 451 versuchte, die Anliegen beider zu verbinden, in dem es zwischen Person und Natur (Wesen) unterschied: In der einen Person Jesu Christi sind die göttliche und die menschliche Natur unvermischt und ungeschieden miteinander verbunden. Jesus Christus ist sowohl Gott wesensgleich als auch uns Menschen wesensgleich.

Bedingt durch politische Zusammenhänge konnten auf dem Konzil von Chalcedon im Jahr 451 nicht alle Bischöfe der damaligen Kirche teilnehmen. Es fehlten vor allem die Bischöfe der orientalischen Kirchen. Da auf diesem Konzil Themen besprochen und entschieden wurden, die schon im Vorfeld strittig waren, konnten einzelne Kirchen an dieser Entscheidungsfindung für die Gesamtkirche und für sich selbst nicht teilnehmen. Nach dem Nestorius bereits auf dem Konzil von Ephesos 431 ausgeschlossen worden war, lösten sich aufgrund der Auseinandersetzungen nach dem Konzil von Chalcedon auch die als "monophysitisch" betrachteten Nationalkirchen von der Reichskirche. Verschiedene Einigungsversuche scheiterten. Die selbständigen orientalischen Kirchen verstehen sich selbst als "orthodox".

Im 20. Jahrhundert näherten sich die orientalischen Kirchen sowohl untereinander als auch den Byzantinisch-Orthodoxen Kirchen wieder stärker an. Theologen dieser Konfessionen sind inzwischen zur Einsicht gelangt, dass durch Sprachunterschiede verursachte verschiedene Ansichten über die Bedeutung des Wortes "Natur" (physis) wesentlich zu dem Streit beigetragen hatten und dass in vieler Hinsicht beide Seiten mit verschiedenen Worten jeweils das gleiche ausdrücken wollten. In den grundlegenden Streitfragen herrscht inzwischen weitgehender Konsens. Aus diesem Grund werden die alten polemisch gefärbten Konfessionsbezeichnungen "monophysitisch" und "nestorianisch" nicht mehr gebraucht.

 

ORIENTALISCH" ORTHODOXE " KIRCHEN

Die Orthodoxen Kirchen des Orients gehören zu den Kirchen auf der Welt, die auf eine sehr lange Tradition der Verbindung von Glaube und Kultur zurückblicken können. Sie bilden aber darin aus theologischer, liturgischer und historischer Sicht eine eigene Kirchenfamilie. Insgesamt gibt es sechs orientalisch-orthodoxe Kirchen, in Ägypten, Äthiopien, Eritrea, Syrien, Armenien und Indien.

 

Koptisch-Orthodoxe Kirche

 

gestern

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche versteht sich selbst als die ursprüngliche Kirche Ägyptens, und führt sich auf den Evangelisten und Apostel Markus zurück. Für die koptische Tradition und Identität ist es entscheidend, dass es aus der Bibel Hinweise dafür gibt, dass wichtige biblische Gestalten, wie etwa Abraham, in Ägypten waren. Auch die Familie Jesu war in Ägypten "so berichtet es das Matthäusevangelium "weil sie vor den Kindsmördern des Herodes Zuflucht suchen musste. In Ägypten entstand das christliche Mönchtum, und als die herausragende Gestalt wird Antonios der Große (251 bis 356 n. Chr.) angesehen, der als Vater aller christlichen Mönche gilt. Dogmatische Fragen um die wahre Natur Christi gaben später Anlass zu großen Konflikten innerhalb der Kirche, was schließlich auf dem Konzil von Chalcedon im Jahre 451 zum Bruch zwischen den orientalischen Kirchen und der Reichskirche führte.

 

heute

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist in Ägypten eine Minderheit mit 40 Diözesen und Bischöfen. Sie wird vom "Papst von Alexandria und Patriarchen des Stuhles von St. Markus" geleitet. Derzeitiger Patriarch ist Anba Schenouda III. Zur Koptisch-Orthodoxen Kirche gehören heute in Ägypten mehrere Millionen Christen. Die Zahlenangaben schwanken zwischen 6 bis 10% der Gesamtbevölkerung. In Deutschland leben ca. 6.000 Mitglieder der koptischen Kirche, die sich hier in rund zwanzig Gemeinden organisiert. Der Bischof der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland, Anba Damian, hat seinen Sitz im koptisch-orthodoxen Kloster in Höxter-Brenkhausen. Ein wichtiges kirchliches Fundament ist für die Kopten die Sonntagsschule. Dieses katechetische Modell kam durch den Einfluss protestantischer Archäologen nach Ägypten und hat sich in der koptischen Kirche etabliert. Dies bildet ein wichtiges Moment des Gemeindeaufbaus.

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche ist Gründungsmitglied des Ökumenischen Rates der Kirchen und unterhält sehr gute Beziehungen zu den anderen christlichen Kirchen, so z.B. zu den orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus und zur Römisch-katholischen Kirche. In Deutschland ist sie seit 1998 Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, weiterhin ist sie Mitglied der AcK Bayern und der AcKs München und Nürnberg.

 

Kontakt

Koptisch-Orthodoxe Kirche in Deutschland
Waisenhausstr. 47
80637 München
Tel.: 0171/4077237
Infos: www.kopten.de

Überblick über die Gemeinden:

www.stantonius-kroeffelbach.de/koptische-gemeinden.html

 

Sakramente Die orthodoxen Kirchen verstehen die Sakramente als "Mysterien", d.h. als sinnenfällige Mittel der geheimnisvollen Gnadenwirkung des Heiligen Geistes. Sie haben "auch unter abendländischen Einfluss "die Siebenzahl der Sakramente faktisch übernommen, ohne sie jedoch zu dogmatisieren: Taufe, verbunden mit der Myronsalbung (entspricht der Firmung), Buße, Ehe, Krankensalbung, Ordination. Daneben gibt es weitere sakramentale Handlungen, die ebenfalls als Mysterien bezeichnet werden. Sakramente werden den eigenen Kirchenmitgliedern oder denen der anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen gespendet.
Taufe Säuglingstaufe mit Firmung und Erstkommunion. Taufen aus anderen orientalisch-orthodoxen Kirchen werden als gültig anerkannt.
Amt Die Priester sind in der Regel verheiratet, jedoch können nur Mönche, das heißt zölibatär lebende Männer, Bischöfe werden. Die Ordination ist Männern vorbehalten. Die Ordinationen aus anderen orientalischen Kirchen werden anerkannt.
Feste Koptischer Kalender. Dieser ist dem im Westen üblichen Gregorianischen Kalender über 280 Jahre hinterher. Die koptische Gemeinden in Ägypten feiern Weihnachten am 29. Tag des koptischen Monats Khiakh, was im Gregorianischen Kalender dem 7. Januar entspricht. Daher fällt Weihnachten auf den 7. Januar Ostern ist ein bewegliches Fest, am ersten Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond, wobei der Frühlingsanfang anders berechnet wird. Himmelfahrt wird 40 Tage und Pfingsten 50 Tage nach dem Ostertermin gefeiert.  Wichtige Marien- und Heiligenfeste im Jahresverlauf.   
Struktur Papst Schenouda III. leitet die Kirche.  Bischöfe sind mit der Leitung der Diözesen betraut und Priester leiten und betreuen die Gemeinden.